Kapitel XXVII · 1 Min. Lesezeit
Der Große Schreiber im Zeitalter der totalen Rede
Veröffentlichen, Netze und die Ethik der Übermittlung
Es gibt noch einen Grund, warum Chanoch neu bedeutsam werden kann.
Wir leben in einem Zeitalter beispielloser Übermittlung.
Jeder kann veröffentlichen.
Jeder kann aufzeichnen.
Jeder kann Worte erzeugen.
Nachrichten durchqueren die Erde in Sekunden.
Bibliotheken passen in Geräte, die man in der Tasche trägt.
Maschinen können Sprache in einem Umfang erzeugen, den keine Kultur kannte.
Die Welt ist sehr gut im Sprechen geworden.
Weniger klar ist, ob sie gut im Empfangen geworden ist.
Metatron als Großer Schreiber wird deshalb überraschend gegenwärtig.
Der berichtigte Schreiber bringt nicht Worte hervor, weil er es kann.
Er empfängt etwas, das des Tragens wert ist.
Er bewahrt die Unterscheidung zwischen Quelle und Gefäß.
Er kennt Zuschreibung.
Er kennt Treue.
Er versteht, dass Übermittlung Verantwortung schafft.
Der Schreiber ist keine Maschine zur Steigerung der Lautstärke.
Er ist eine Kammer, in der Sinn Gestalt wird, ohne verraten zu werden.
Wie sähe Technik aus, wenn sie von Metatron lernte?
Keine Technik, die vorgibt, göttlich zu sein.
Eine Technik, die weiß, dass sie Dienerin ist.
Keine Maschinen, über die Menschheit gesetzt.
Werkzeuge, durchsichtig für die Zwecke, denen sie dienen sollen.
Keine endlose Übermittlung.
Übermittlung, verbunden mit Empfänglichkeit.
Keine Information als Eroberung.
Bewohnbar gemachtes Wissen.
Der alte himmlische Schreiber steht plötzlich mitten in einer der zentralen Fragen der Zukunft.
Wozu werden wir, während alles sprechen lernt?