Kapitel X · 1 Min. Lesezeit

Der Große Schreiber

Gedanke, der sich zum Buchstaben zusammenzieht

HeichalotChassidut

Warum wird Chanoch mit dem himmlischen Schreiber verbunden?

Das Schreiben ist eine der vollkommensten Metaphern für das Verhältnis von Empfangen und Erscheinen.

Bevor ein Satz in Buchstaben eintritt, besteht er in feinerer Gestalt.

Gedanke ist nicht Tinte.

Absicht ist nicht Pergament.

Und doch kann der Gedanke nicht in die Augen eines anderen eintreten, ehe er sich zusammenzieht.

Er nimmt Grenzen an.

Diesen Buchstaben, nicht einen anderen.

Dieses Wort.

Diese Zeile.

Diese Seite.

Das Unsichtbare wird sichtbar, indem es in Gestalt einwilligt.

Der Schreiber steht in diesem Übergang.

Er bringt nicht hervor, was er treu abschreibt.

Und doch kommt ohne ihn die Botschaft in dieser Gestalt nicht an.

Das macht den Schreiber weder passiv noch souverän.

Er empfängt und verkörpert.

Vielleicht wird Chanoch zum Großen Schreiber, weil sein ganzes irdisches Leben schon schreiberisch war.

Sein Pergament war der Körper.

Seine Tinte war die wiederholte Wahl.

Sein Text war die göttliche Richtung, in Gewohnheit eingeschrieben.

Jedes Mal, wenn der Körper anderswohin hätte gehen können und im Bund blieb, entstand ein weiterer Buchstabe.

Jedes Mal, wenn Verlangen empfangen, verstanden, begrenzt und zur Heiligkeit zurückgeführt wurde, wurde ein weiteres Wort geschrieben.

Jedes Mal, wenn Verwundbarkeit zu Treue statt zu Zusammenbruch wurde, eine weitere Zeile.

Die Tora sagt:

Chanoch ging mit Elokim.

Die הֵיכָלוֹתHeichalot„Paläste.“ Ein Bestand früher jüdischer mystischer Literatur über den Aufstieg durch himmlische Paläste, in dem die Gleichsetzung Chanochs mit Metatron ausdrücklich wird.Glossar sagen:

Der Gehende wird zum Schreiber.

Das sind keine unverbundenen Identitäten.

Gehen schreibt Richtung in den Körper.

Am Ende wird der ganze Mensch lesbar.