Kapitel III · 2 Min. Lesezeit
Das Feuer ist nicht der Punkt
Verwandlung als sichtbar gewordene Richtung
Die הֵיכָלוֹתHeichalot„Paläste.“ Ein Bestand früher jüdischer mystischer Literatur über den Aufstieg durch himmlische Paläste, in dem die Gleichsetzung Chanochs mit Metatron ausdrücklich wird.Glossar-Literatur beschreibt Chanochs Verwandlung in gewaltiger Sprache. Sein Fleisch wird Feuer. Seine Sehnen Flamme. Seine Maße dehnen sich. Er wird in Glanz gekleidet. Geheimnisse werden ihm gegeben. Er empfängt Kronen und Namen. Er tritt als מֶטַטְרוֹןMetatronDie himmlische Identität, die die Heichalot-Literatur dem verwandelten Chanoch zuschreibt. Ein Geschöpf in erhabenem Amt — nie eine zweite Gottheit und nie ein Gegenstand des Gebets.Glossar in die himmlische Verwaltung ein.
Achtlos gelesen wird solche Bildlichkeit zum Schauspiel.
Durch die Kabbala gelesen wird sie zur Architektur.
Feuer ist nicht bloß Temperatur.
Feuer ist Aufwärtsgerichtetheit.
Eine Flamme bleibt am Docht haften und strebt doch über ihn hinaus. Sie verzehrt den Stoff, der sie trägt, und übersetzt Undurchsichtigkeit in Licht.
Dass Chanochs Körper zu Feuer wird, sagt also etwas über Ausrichtung.
Der Körper hatte einst konkurrierende Richtungen.
Der Hunger zog dahin.
Die Furcht dorthin.
Das Verlangen wieder anderswohin.
Die Neschama zog nach oben.
Der Jezer zog zur Seite.
Chanochs irdische עֲבוֹדָהAwodaDienst und die innere Arbeit darin. Die Maße beschreiben den Palast; die Awoda sagt, warum der Palast zählt.Glossar hat die Vielheit nicht durch Gewalt aufgehoben. Sie hat die Vielheit auf den Bund hin geschult.
Dann kleidet die mystische Tradition das Ergebnis in Feuer.
Das Fleisch hat gelernt, wohin es gehört.
Die Verwandlung ist kein Hass auf die Leiblichkeit. Sie ist die Offenbarung dessen, was eine geschulte Leiblichkeit trug.
Und hier wird das Bild besonders fein.
Die klassische Vorstellung des Aufstiegs ist meist linear.
Die Erde unten.
Der Himmel oben.
Der Mensch steigt.
Der Engel ist höher.
Die höchste Errungenschaft müsste demnach der größte Abstand vom Stofflichen sein.
Aber die Tora endet nicht mit Chanoch.
Der Sinai ist noch nicht geschehen.
Die Mizwot sind noch nicht mit der vollen heiligenden Kraft nach dem Sinai in die stoffliche Welt eingetreten.
Der Mischkan ist noch nicht gebaut.
Tefillin haben noch keine Tierhaut in ein Cheftza schel Mizwa verwandelt.
Es gibt keine Mesusa, die eine Tür verwandelt.
Keinen stofflichen Lulaw, erhoben als Wille HaSchems.
Keine Mazza, gegessen, weil die Unendlichkeit Mehl und Wasser geboten hat.
Keinen Schabbattisch, an dem Wein, Brot, Kerzen, Körper, Kinder, Rede und Gesang zur Wohnung werden.
Chanoch steigt auf, bevor die Welt ihr volles Vermögen erhält, zu fassen, was er geworden ist.
Das verändert die Bedeutung seines Verschwindens.
וְאֵינֶנּוּ.
Originaltext
Er ist nicht mehr hier.
Nicht weil das Hier keinen Wert hätte.
Weil das Hier noch nicht bereit ist.